
Aus der Marschlandschaft westlich des Jadebusens stammt einer der berühmtesten Deichbauer der Nordseeküste. Der im Jahre 1692 geborene Deichrichter Albert Brahms hat sich bereits seit frühester Kindheit mit wissenschaftlichen Fragen zum Deichbau beschäftigt. Das Erlebnis der schweren Sturmflut zu Weihnachten des Jahres 1717 war Antrieb, sich beständig und mit Nachdruck für die ausreichende Instandhaltung der Küstenschutzbauwerke seiner Heimat einzusetzen.
Albert Brahms forderte zudem Deiche mit sanft abfallenden Böschungen, damit diese den Sturmfluten besser widerstehen können. Dies war für jene Zeit eine Neuerung im Deichbau. Gerade diese neuartigen Deichprofile werden aber auch von der literarischen Kunstfigur des Schimmelreiters Hauke Haien im Schimmelreiter propagiert.
Im April 1888 veröffentlichte Theodor Storms seine bekannteste Erzählung „Der Schimmelreiter“. Die Novelle, in deren Zentrum der fiktive Deichgraf Hauke Haien steht, könnte auf diesen Vorbild basieren.
Beim Vergleich des Lebenslaufes des Albert Brahms mit der Geschichte des Deichgrafen Hauke Haien ergeben sich weitere erstaunliche Parallelen. Wie der Romanheld war Albert Brahms ein Autodidakt, dessen strenger Vater aus ihm einen tüchtigen Bauern und Hoferben machen wollte. Auch er bekam den Widerstand der Dorfgemeinschaft zu spüren, als sich die Sander gegen ihn wegen der finanziellen Belastung durch die von ihm geplanten Deichverstärkungsmaßnahmen erhoben. Diese Parallelen sind so auffällig, dass man vermuten könnte, der Deichrichter Albert Brahms hat Theodor Storm tatsächlich als Vorlage für den Schimmelreiter gedient. Der Deichgraf Hauke Haien also eigentlich ein Jeverländer aus der Marsch westlich des Jadebusens?.
Theodor Storm begann mit der Niederschrift der Novelle jedoch erst im Juli 1886 und beendete seine Arbeit daran im Februar 1888, wenige Monate vor seinem Tod. Die Novelle erschien das erste Mal im April 1888 in der Zeitung „Deutsche Rundschau“.